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Gedanken zur Hundehaltung
von Rocco Cantorelli
Immer wieder muss ich feststellen, dass die meisten Hunde schlecht oder gar nicht erzogen sind! Das liegt aber bekanntlich nicht an dem Hund, sondern an seinem Halter!
Viele Halter meinen einen gut erzogenen Hund zu haben, wenn sich dieser an der Straßenecke, ob nun mit oder ohne Kommando, hinsetzt. Stellen Sie sich bitte vor das Sie bei jeder Straßenüberquerung in die Knie gehen müssten, das wäre doch auch für Sie nicht schön, und vom schlechten Wetter ganz zu schweigen. Auch Hunde können sich eine Blasenerkältung zuziehen!! Für diese Halter scheint aber zu gelten: NUN ist mein Hund erzogen.
Doch was ist mit dem Sozialverhalten?
Die Prägungen des Sozialverhaltens finden zwischen der 3. und der 16. Woche statt. Ein Hund, der in dieser Zeit nichts gelernt hat, nicht mit anderen Einflüssen wie z. B. Autos, anderen Hunden, der U-Bahn, Menschen usw. in Kontakt gekommen ist, hat nicht die Chance, sich zu dem Hund zu entwickeln, zu dem er sich hätte entwickeln können. Die beste Zeit seinen Welpen zu bekommen ist zwischen der 8. und der 10. Woche. Dann haben Sie als Halter noch eine Menge Zeit, dem Hund einiges beizubringen. Ein bisschen Stress, richtig dosiert natürlich, schadet dem Hund nicht, denn er wird dadurch später wesentlich gelassener in Stresssituationen reagieren. Aber seien Sie jetzt bitte nicht im Glauben, dass ein Volksfest, Jahrmarkt oder Straßenfest der ideale Ort ist, um seinen Hund stresssicher zu machen!
Ein Fehlverhalten eines Hundes, wenn er sich anderen Hunden gegenüber aggressiv verhält, ist oft eine Unsicherheit. Dieser Hund glaubt: Angriff ist die beste Verteidigung. Doch das ist falsch, und Sie müssen unbedingt etwas dagegen unternehmen! Dieser Hund hat ein soziales Defizit. Und wenn dann die „Flegeljahre“ dazu kommen, und der Hund wird nicht richtig oder gar nicht geleitet, dann kann es zu unerfreulichen Begegnungen kommen. (Die „Flegeljahre“ fangen aber nicht erst in einem Alter von 12 oder noch späteren Monaten an. Ein Hund ist mit 6 Monaten kein Baby/Welpe mehr! Bitte werden Sie sich darüber bewusst). Ebenso kann es problematisch werden, wenn ein Hund vor allem Angst hat. Auch dieser Hund ist ein Fall von nicht richtig/genug sozialisiert.
Wenn Hunde dann ausgewachsen sind, zeigen sie oft ein aggressives Verhalten anderen Hunden gegenüber. Eine geduckte Körperhaltung bei der Annäherung ist meistens keine freudige, spielerische Geste, wie uns die Halter meistens Glauben machen wollen. Diese Körperhaltung ist eine Drohgebärde. Oftmals schießt der Hund dann auf den anderen Hund mit Geknurre, Gebelle oder eine Mischung aus beidem los (in Büchern über die Hundesprache können Sie darüber nachlesen, z. B. Hunde sind anders von Jean Donaldson, oder informieren Sie sich auch bitte über “Calming Signals”, Beschwichtigungssignale/-gesten). Da die meisten Hundehalter meinen, dass dieses Verhalten Spiel ist, schreiten nicht ein und rufen ihren Hund auch nicht zur Ordnung. Sie machen das schon unter sich aus. Und da sie ja sehen, dass der andere Hund vielleicht nicht reagiert, sondern Angst zeigt, fühlen sich diese Hundehalter auch noch so stark, denn selbst wenn es zu einer Beißerei kommen sollte, gehen sie davon aus, dass ihr Hund der Sieger dieses Kampfes sein wird. Ja, sie glauben, dass dies das richtige Sozialverhalten ist.
Entschuldigen Sie bitte meinen französischen Akzent, aber das ist Scheiße!!!!!
Wenn ich einen Hund habe, der ein soziales Problem mit Artgenossen hat, dann bin ich als Halter gefordert, etwas dagegen zu tun. Wenn ich alleine nicht weiter komme, muss ich mir professionelle Hilfe suchen. Andernfalls muss ich meinen Hund an der Leine halten, denn jeder Halter ist verpflichtet dafür zu sorgen, dass sein Hund niemandem, Menschen oder Tier, etwas zuleide tun darf. Das steht auch so in der deutschen Hundeverordnung. Es ist nämlich auch nicht fair einem anderen Hund gegenüber, ihn zu verängstigen. Wenn ich ein Hundeliebhaber bin, dann ist diese Liebe zu allen Hunden und darf sich nicht nur auf den eigenen Hund beschränken. Auch halten Sie sich bitte an “Fair play”. Das heißt: Wenn Ihnen jemand entgegen kommt, der seinen Hund an der Leine führt, dann leinen Sie Ihren Hund bitte auch an!!! Es kann immer mal etwas sein, warum der entgegen kommende Hund angeleint ist (Läufigkeit einer Hündin, eine gerade überstandene OP oder sonstiges). Ihr Hund wird den “Frust” schon überstehen, nicht zu jedem Hund gehen zu dürfen. Es mag ja auch nicht jeder Hund von anderen Hunden beschnuppert werden. Windhunde sind da ganz besonders sensibel. Da sie ja ohnehin Sichtjäger sind, wollen sie sich die anderen Hunde erst einmal anschauen, bevor sie Kontakt mit ihnen aufnehmen. Ja, sie verabscheuen diesen direkten Kontakt sogar. Und auch wenn Sie selber keinen Windhund haben, keine Erfahrungen mit diesen Hunden haben, dann können Sie dennoch die Abneigung gegen das Bedrängen eines Windhundes erkennen, wenn Sie die “Sprache” des Hundes verstehen. Die Rassen mögen sich in bestimmten Merkmalen deutlich voneinander unterscheiden, doch die Abneigung einer Sache gegenüber ist bei allen Hunden sehr gut und deutlich zu erkennen.
Ein gut erzogener Hund macht solche Sachen, wie oben beschrieben, nicht. Will er doch so reagieren, dann muss er zur Ordnung gerufen werden. Ein gut erzogener Hund wird sofort auf seinen Halter hören und zu ihm zurückkommen. Ein gut erzogener Hund zeigt soziales Verhalten seinen Artgenossen gegenüber durch Benehmen und/oder friedliches Aneinandervorbeigehen.
Bitte bedenken Sie dies, wenn Sie sich für einen Hund entscheiden. Und bitte machen Sie sich vorher Gedanken WAS für einen Hund Sie sich holen. Suchen Sie sich keinen Hund nur nach dem äußeren Erscheinungsbild aus, sondern die Charaktereigenschaften sollten einen großen Anteil bei der Entscheidung spielen. Und lassen Sie sich nicht vom Mitleid treiben und kaufen Sie einen Hund aus dem Kofferraum, Massenzucht oder von einem “Züchter”, der Ihnen die Mutterhündin nicht innerhalb kürzester Zeit präsentieren kann. Wenn Sie nicht gerne spazieren gehen, dann ist ein lauffreudiger Hund nicht das Richtige für Sie. Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Hund mit einem starken Eigenwillen auch nicht für jedermann/-frau ist. Viele Hundehalter halten die verkehrte Rasse und geben ihm nicht den Auslauf und Aufmerksamkeit, die der Hund braucht. Der unausgelastete und vernachlässigte Hund kann aus Verzweiflung aggressiv werden. Ein Jack-Russel Terrier ist ein Hund mit starkem Willen, der auch eine konsequente Erziehung braucht. Liebevoll, aber trotzdem konsequent!! Das ist kein Hund den man wegen seiner Größe nach unterschätzen darf. Auch dieser Hund muss seine Grenzen kennen lernen. Und nur weil er so klein ist darf man nicht glauben, dass er leicht zu handhaben ist. Ihn als “Kinderspielzeug” zu missbrauchen, kann zu Stress für den Hund werden, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Hund ein abnormales Verhalten zeigt.
Also! Sich erst einmal darüber informieren welche Rasse, oder welcher Tierheimhund infrage kommt und wie viel Einsatz erbracht werden muss, damit sich der Hund zu einem gesunden sozialverhaltenden Hund entwickeln kann.
Hier möchte ich Ihnen doch gleich an einem Beispiel erläutern. Frau Eva-Maria Krämer schreibt in der Zeitschrift Das Deutsche Hundemagazin, Ausgabe 1/2006, in der Sektion Rassekunde über den Deutschen Schäferhund:
Ausgeprägtes territoriales Bewusstsein. Häufig sind Schäferhunde im Umgang mit fremden Hunden problematisch. Das hängt ebenfalls mit seinem ausgeprägten Territorialempfinden zusammen. Hat ein Schäferhund bei einem Spaziergang einmal seine Runde markiert, dann gehört sie ihm. Hier in seinem Revier haben andere Hunde nichts verloren. Oftmals wird bei solchen Revierstreitigkeiten keine Rücksicht auf das Geschlecht genommen und Welpenschutz gibt es schon mal gar nicht. Schäferhunde sind sehr konsequent, wenn es um die Verteidigung des eigenen Reviers geht — und fremde Welpen im eigenen Revier sind mögliche Nahrungskonkurrenten für den Nachwuchs der eigenen Gruppe. Das vermeintlich fragwürdige Verhalten ist für einen Hund seiner Historie (Geschichte, Am. Verfasser) normal. Das müssen Besitzer wissen, respektieren und versuchen, das Verhalten in vernünftige Bahnen zu lenken. Man braucht schon Hundeverstand, will man einen Deutschen Schäferhund führen.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe hier lediglich den Deutschen Schäferhund als Beispiel genommen, um anschaulich zu machen wie wichtig es ist, sich vorab zu informieren über den Rassehund, den man sich nach Hause holt, um mit ihm als Wegbegleiter stressfrei zusammen zu leben. Es hätte aber auch jede andere beliebige Rasse sein können.
Bitte denken Sie daran, bevor ein Hund zu Ihnen nach Hause kommt, damit die bösen Zwischenfälle weniger werden und eines Tages ganz verschwunden sind. Tragen Sie dazu bei, dass es ein friedvolles Miteinander zwischen Hunden und ihren Haltern gibt, dann wird es auch wieder ein friedvolleres Miteinander zu Nichthundehaltern geben.
Ich wünsche Ihnen sorgenfreie Spaziergänge und viel Spaß mit Ihrem besten Freund.
Rocco Cantorelli
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