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Die Geschichte des Longhaired Whippet

Die Geschichte des Longhaired Whippet

(Übersetzung von Rocco Cantorelli)

Kleine Greyhound ähnliche Windhunde existieren seit einigen hundert Jahren. Dies beweisen unter anderem auch einige Gemälde aus der Renaissance, auf denen kleine Windhunde zu sehen sind. Auf dem Bild The Adoration of the Magi von Benvenuto di Giovanni (1436-1518) und auf einem weiteren Bild, spätes 15. Jahrhundert mit demselben Titel, hier ist der Maler aber unbekannt. Auf diesem Bild gibt es sogar zwei Whippets. Beide Gemälde befinden sich in der Nationalen Gallery of Art in Washington, DC. Weitere Informationen darüber gibt es auch in den Büchern: Popular Dog (1958) und The Heritage of Dogs (1990), UK.

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Vielleicht der beste und unbestreitbare historische Beweis von der Existenz der Longhaired Whippet existiert in dem Buch The New Book Of The Dog (1906) von Robert Leighton. Hier schrieb F.C. Hignett, ein Whippetliebhaber seit mehr als 50 Jahren einen Artikel:

Es gab zwei Varianten der Whippets. Einen mit langem Haar und einen mit Kurzem. Doch die langhaarige Variante ist weder auf den Ausstellungen zu sehen, noch sind sie auf der Rennbahn zu Hause. Diese Hunde würden sowieso keinen Preis gewinnen, den ihr langes Fell verdeckt die schöne Körperlinie.

Hignett teilte die Whippets in langhaarige und kurzhaarige Hunde. Allerdings hatten die langhaarigen Hunde eher ein rauhes, drahtiges Haarkleid wie der Galgo Hund. Dies beweisen alte Bilder, auch ist die Figur des Whippets darauf zu erkennen.

Wahrscheinlich aber hat Hignett Whippets mit mehr und längerem Fell gesehen als die Fotos zeigen. Von anderen Berichten ist aber bekannt, dass es einige Whippet ähnliche Hunde gab, mit allen Varianten von Haarkleid. Zeugen berichteten von Kreuzzüchtungen, die wir aus der Mitte des 19. Jahrhundert kennen, bevor sich die ersten Zuchtverbände zusammen schlossen. Diese Hunde fanden wohl ihren Weg durch Kreuzungen mit dem Whippet, sodass sie den heutigen langhaarigen Whippet, den Longhaired Whippet, ergeben.

Persönliche Berichte von Whippetzüchtern erzählten von rauhhaarigen Whippets, deren Fell aber doch eher spärlich war. Dies ist nicht ungewöhnlich. Noch bevor in England die offiziellen Clubgründungen stattfanden, hatte man den Terrier in den Whippet eingekreuzt. Andere wiederum berichteten, dass es in England einen Whippet gab, dessen Fell seidig lang war, Jahre bevor sich dieser Hund in den USA stabilisieren konnte.

Einen weiteren Beweis, dass es den Longhaired Whippet in einer früheren Form gab, steht in dem Buch The Whippet and Racedog von Freeman Lloyd (1894). Er schreibt:

 Wenn ich mir einen Whippet für den Sport aussuchen müsste, dann würde ich die rauhaarige Variante wählen. Ich denke, dass diese Hunde durch ihr Haarkleid besser geschützt sind und mit den unterschiedlichen Wetterbedingungen klar kommen.

Ein gewisser Herr Hubbard berichtete, dass es bis in die 1920er rauhhaarige Whippets gab, die ein Fell besäßen wie der Galgo. Er benutzte die Bezeichnung Rauhhaar um so auf den Drahthaar hinzuweisen, der bis in die 1940er gänzlich ausgestorben war.

Cathy Flamholz schrieb in ihrem Buch: A Celebration of Rare Breeds, Volume 2 (1981): Ganz klar, Hundebuchschriftsteller von früher waren sich klar darüber das es zwei Varianten von Whippets gab.

Flamholz hat einen schönen Artikel in diesem Buch über den Longhaired Whippet geschrieben. Man kann diese Buch bestellen bei: ORT Publ., Post Box 481, Centreville, AL 35042.

Drahthaarige oder rauhhaarige Whippets wurden bis in die 1930er in Kalifornien von der Familie James Young gezüchtet. Der Zwinger hieß Arroyo Kennel. Christine Cormany, Tochter von James Young, schrieb über diese Hunde im Kennel Review, dass diese Hunde ein Gewicht von ca. 10 kg auf die Waage brachten. Aber es gab auch erfolgreiche Hündinnen, die gerade mal 6,5 kg wogen. Meistens waren sie schwarz, silbergrau oder rehbraun.

Sie schrieb: Soweit ich mich erinnere hatten wir nie weisse, grau-gestromte oder gescheckte Hunde. Die Anpassung der Rauhhaarigen stand oft in Konkurrenz zu den Kurzhaar Whippets.

Alle diese Hunde wurden während der Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten eingeschläfert, als die Rennbahnen nicht mehr besucht wurden. Der Arroyo Kennel musste schließen.

Drahthaarige Whippets existierten in den 20er und 30er Jahren in Europa in sämtlichen Farben. Solche Bilder sind unter anderem in dem Buch Das Große Windhunderbe, Kynos Verlag (1930) zu sehen. Weitere Informationen und Bilder gibt es in dem Buch The Complete Whippet von Louis Pegram.

Mit dem Tod des letzten Drahthaar-Whippet starb auch die Chance, diese Variante jemals wieder zu züchten. Natürlich könnte man diese Rasse durch Kreuzzüchtungen wieder zurück kreieren, aber das wäre nicht das Gleiche. Leider ist der Drahthaar in den USA ausgestorben, nachdem man ihm Jahre lang diskriminiert hatte. Die “Macher” des Kurzhaar-Whippets mochten und wollten den Rauhaar nicht. Der Kurzhaar ließ seinen Körperbau besser erkennen. Dadurch wurde entschieden, dass dies die einzige akzeptable Variante sei.

Doch es lässt sich an dem heutigen Whippet immer wieder erkennen, dass eine lang- oder rauh/drahthaarige Variante gegeben hat (meist an längeren Haaren an den Hinterläufen und- oder im Brustbereich und Rute). Wie auch immer: die Gene sind in den Hunden verankert und können über Generationen nicht sichtbar sein. Und plötzlich hat man einen Welpen in seinem Wurf mit längeren Haaren. So mancher Züchter muss seine Hunde rasieren, bevor er sie auf Ausstellungen präsentiert. Zugeben würde das aber Niemand.

Es gibt also Beweise für die Whippet Variante mit längeren Haaren. Allerdings auch immer in verschiedenen Ausführungen. Die Geschichte um den heutigen Longhaired Whippet ist schon fast geheimnisvoll.

Fakt aber ist, dass der heutige Longhaired Whippet seine “Neuentdeckung” einem Whippetzüchter aus den USA zu verdanken hat: Walter Wheeler. Er züchtet Whippets seit 1957. Er erzählte, dass er bei einem Zuchtrichter einen kleinen haarigen Whippet im Wurf entdeckte. Er erkundigte sich nach dem Welpen und ihm wurde mitgeteilt, falls der Welpe ein langes Haar entwickeln würde, müsste man ihn einschläfern. Mr. Wheeler war fasziniert von diesem langhaarigen Hund und war in der glücklichen Lage weitere Welpen von anderen Züchtern zusammen zu tragen. Durch starke Inzucht gelang es ihm den heutigen Longhaired Whippet zu züchten.

Ein wichtiger Hund für die heutige Zucht des Longhaired Whippet, so Wheeler, war eine Championats Hündin aus England in den späten 1950ern. Es wird erzählt, dass diese Hündin vor jeder Ausstellung erst einmal rasiert werden musste, da sie eine dicke Mähne und eine buschige Rute besass. Wheeler sagt, dass die Nachkommen dieser Hündin zur Zucht einer ganzen Familie des Longhaired Whippet genutzt wurden.

Mr. Wheeler züchtete auch eine weitere Familie mit einem typischen West Coast Rüden. Nachdem er dadurch einen reinen Langhaarigen Rüden gezogen hatte, trimmte er dessen Fell und stellte diesen Hund bei einer Whippetausstellung als Kurzhaarwhippet aus. Und siehe da, dieser Rüde wurde ein Gewinner. Hunde wie diese, mit derselben Anatomie, müssen Vorfahren mit längerem Haarkleid haben. Und das ist auch Grund der immer wieder auftauchenden längeren Haare, bis zu 2,5cm; an manchen Whippets.

Mr. Wheeler begann sein seriöses Zuchtprogramm in den späten 1950ern. Bis 1981 hatte er genügend von den langhaarigen Whippets, dem Longhaired Whippet, so dass er damit an die Öffentlichkeit ging. Er veröffentlichte einen Artikel im The Whippet Magazine, Ausgabe 6 im Jahre 1981. Einen weiteren Artikel im Sighthound Magazine im Jahr 1982. Danach wurde die Langhaarige Whippet Vereinigung (LWA, Longhaired Whippet Association) gegründet und im Jahr 1986 wurde der Standard des Longhaired Whippet adoptiert und Copyright gesichert.

Gegner des Projekts aus der Whippet Welt sind sich sicher, dass Mr. Wheeler schon den Whippet zu seiner Zucht verwendete, doch kreuzte er diesen mit dem Barsoi oder sogar mit dem Sheltie oder mit beiden. Es ist nicht sicher, welche dieser Behauptungen wahr ist, aber seit die Longhaired Whippet direkte Nachkommen hervorbringen, und ganz ehrlich: keiner unser heutigen Hunderassen sind so, wie sie heute aussehen, vom Himmel gefallen, da alle Rassen irgendwann einmal sich aus einer Kreuzung hervorgetan haben, ist klar, dass der Longhaired Whippet rein durchgezüchtet ist. Ihre Anwesenheit allein ist der Beweis, dass es sie gibt und sie sind schöne und charmante Hunde.

Da der Ursprung dieser Hunde so viele Fragen und Debatten hervorruft, gibt es einige Menschen, die das Wort Whippet entfernt haben wollen.

Und noch einmal möchte ich darauf hinweisen, selbst wenn der heutige Longhaired Whippet aus einer Kreuzung entstand, so brauchen wir nicht weit zu gucken, um dies bei anderen Rassen zu sehen. Selbst wenn manche behaupten, der kurzhaarige Whippet hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert und entstand durch eine Kreuzung mit dem Terrier, so ist doch bekannt, dass es Whippet ähnliche Hunde lange davor gab. Und weil Terrier in der Tat mit Whippet ähnlichen Hunden gekreuzt wurden, als sich im späten 19. Jahrhundert die ersten Vereine formierten, wurde der sich unter anderem daraus formierte Drahthaar-Whippet nicht anders genannt. Sie wurden einfach als drahthaarige Whippets bezeichnet. Und das Resultat mit kurzem Haar, Kurzhaar-Whippet.

Als weiteres Beispiel möchte ich den Dackel ansprechen. Die ersten Hunde, die als Dackel bezeichnet wurden, waren kurzhaarig. Durch das Einkreuzen von Terrier bezeichnet man diesen Hund als Rauhaardackel. Und als man den Dackel mit dem Spaniel kreuzte wurde daraus der Langhaardackel. Alle diese drei Varianten sind Dackel und keiner käme auf die Idee, diesen Namen für diese Hunde in Frage zu stellen.

Historische Beweise gibt es genug für den Longhaired Whippet. Da gibt es weitere Beispiele neben den bereits zitierten, über andere Rassen, über Einkreuzungen um einen anderen Typ zu bekommen und um die gleiche Bezeichnung eines Hundes in verschiedenen Typen.

Alles in Allem: Die unter uns, die diesen Longhaired Whippet lieben, verdanken es Mr. Walter Wheeler, dass es uns heute möglich ist, diese seltene Rasse zu besitzen.

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© by Rocco Cantorelli 2007-2010